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Landshuter Hochzeit 1475
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ISBN-Nr. Originalausgabe: ausverkauft

ISBN-Nr. Taschenbuch: 3-404-12935-0

ISBN-Nr. Sonderausgabe: 3-485-00763-3


Pustet-Bestenliste 20.08.2005: Platz 1!


Die reiche Handelsstadt Landshut steckt im November 1475 mitten in den fieberhaften Vorbereitungen für eine der größten Hochzeitsfeiern, die die Christenheit je gesehen hat. Zur Vermählung von Georg von Wittelsbach mit Jadwiga von Polen hat sogar der Herr des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation sein Kommen zusagt, der Kaiser.

Alles befindet sich in höchstem Aufruhr, doch offenbar ist nicht jeder an einem glücklichen Ausgang der Verbindung interessiert. Denn dass der rätselhafte Mord an der polnischen Gräfin, die erwürgt in der Baustelle der großen Kathedrale aufgefunden wird, die Hochzeit vereiteln könnte, steht außer Frage. Der Fall im muss im Geheimen aufgeklärt werden und im Wettlauf mit der Zeit. Geeignet scheint der ehemalige Untersuchungs-beamte im Dienste des Bischofs von Augsburg. Aber Peter Bernward übernimmt die Sache nur ungern, erinnert sie ihn doch an seinen letzten Fall, der ihm auch jetzt, nach vielen Jahren, noch immer Alpträume beschert.

Gejagt von den Gespenstern seiner eigenen Vergangenheit, macht sich Bernward schließlich an die unmöglich scheinende Aufklärung. Doch warum legt ihm der Anführer der polnischen Delegation laufend Steine in den Weg? Was hat es mit der Zofe der Ermordeten auf sich, der Zofe mit den teuren Gewändern und dem selbstbewussten Auftreten einer vornehmen Dame? Und wer ist der Tote mit dem zerstörten Gesicht, den der Fluss freigibt?

Die Zeit wird knapp, und die Ankunft der Braut rückt immer näher...





Die Originalausgabe des Tuchhändlers erschien im Frühjahr 1997 im nymphenburger Verlag und ging nach wenigen Wochen in eine zweite Auflage.

Vordergründig handelt es sich dabei um eine Detektiv-Geschichte: der Held muß herausfinden, wer einen Mord begangen hat und aus welchem Grund. Zugleich ist der Roman ein Thriller, denn der Held hat nur knapp 14 Tage Zeit für seine Ermittlungen. Versagt er, hat dies größte menschliche und politische Konsequenzen.

Der "Detektiv", Peter Bernward, ist ein sehr unwilliger Held, der sich in seinem persönlichen Schicksal vergraben hat; ein Mann, der erst erkennen muß, daß es gilt, seinen Frieden mit der Vergangenheit zu machen, wenn man in der Gegenwart bestehen und in eine Zukunft blicken will. Dies hat er mit seinem Gegenspieler, dem zweiten Helden der Geschichte, gemeinsam, dem Mann, der eigentlich der Namensgeber für den Titel des Buches ist. Und so ist der Roman letztlich eine Geschichte über zwei Menschen, die lernen müssen, über den Schmerz hinwegzukommen, der ihr Leben geprägt hat...

Im April 1998 erscheint die Taschenbuchausgabe des Tuchhändlers im Verlag Bastei-Lübbe. Auch hier geht das Buch bald nach der Publikation in weitere Auflagen. Bis zum Januar 2002 sind es insgesamt 6 Auflagen, die das Taschenbuch erreicht, mit einer Gesamtzahl von mehr als 40.000 verkauften Exemplaren.

Im April 2001 bringt der nymphenburger Verlag eine günstige Hardcover-Sonderausgabe des Tuchhändlers anläßlich der Festspiele der Landshuter Hochzeit heraus. Im August 2002 erreicht dieses Buch die 6. Auflage.




Persönliche Anmerkungen:

Zwei meiner lebhaftesten Erinnerungen an das Landshut meiner Jugend sind - neben weiteren persönlichen Anspielungen, die mancher Landshuter mit einem Schmunzeln quittiert haben dürfte - in meinem Roman DER TUCHHÄNDLER wiedergegeben. Zum einen ist dies die alte Ländgasse, die zwischen Altstadt und Isarverlauf gelegene enge Gasse, in der ein Großteil der Romanhandlung spielt und die quasi den Hinterhof der prächtigen Altstadt darstellt. Heute befinden sich dort Szenekneipen, Kaufhäuser, eines der besten Restaurants der Stadt (Schleichwerbung verboten!) und viele kleine Geschäfte. Die Gasse hat unbestreitbar einen Aufschwung genommen, seitdem die Mühleninsel, das letzte große Stadtsanierungsprojekt Landshuts, von den unheimlich-phantastischen Industrieruinen der Rosenmühle "befreit" worden ist und dort Wohn- und Spielraum und vor allem ein großer Parkplatz geschaffen wurde. Eine Brücke führt direkt über die Isar und weist die Besucher durch die Ländgasse in die Altstadt.Vor diesem Projekt war die Ländgasse ein enges, finsteres Gässchen, in dem auch zu Geschäftszeiten unter Tage kaum jemand anzutreffen war und in durch das man sich als spät nachts von seinen Freunden heimkehrender Jugendlicher nur mit größter Schnelligkeit bewegte. Nichts davon ist heute noch zu spüren, und wenn dies in städtebaulicher Hinsicht auch durchaus als Vorteil zu bewerten ist, so fehlt mir doch ab und zu das unheimliche Gefühl und jene "mittelalterliche" Verrufenheit, die die abblätternden Fassaden von Lagerschuppen und langsam verfallenden Bürgerhäusern in mir hervorriefen. Ich habe versucht, dieses Gefühl wenigstens in meinem Roman einzufangen und der "finsteren" Ländgasse ein persönliches Denkmal zu setzen.


Die zweite Erinnerung ist die weniger nostalgische an den Leichnam eines Ertrunkenen, der im Rechen des Maxwehrs hängenblieb und von Angestellten der Stadtwerke aus dem Auffangbecken geborgen wurde, während meine Eltern und ich (ein höchstens sechsjähriger Knirps) zufällig an der Stelle vorüberkamen. Das Maxwehr war berüchtigt dafür, die Unseligen, die weiter flussaufwärts den Tod im Wasser gefunden hatten, aufzuhalten, und ich erinnere mich an Zeiten, in denen mehrere Tote pro Jahr dort an die Oberfläche kamen; und an die Gruselgeschichten der wohlig erschauernden Erwachsenen von den entsetzten Arbeitern der Nachtschicht, die bei der Räumung des Auffangbeckens plötzlich in die glasigen Augen eines Toten starrten. Auch diese Erinnerung habe ich im TUCHHÄNDLER verewigt: das Maxwehr erhebt sich heute an der Stelle, an der zu früheren Zeiten das Bleichwehr zu den Tuchmühlen hinüberführte.
Einige andere Anspielungen sind nicht weniger aus dem Leben gegriffen als meine Erinnerungen, aber nicht so persönlicher Natur. Tatsächlich kann man sie auch heute noch nacherleben; wenn etwa Peter Bernward vergeblich versucht, eine Unterstellmöglichkeit für sein Pferd zu finden, weil während der Hochzeitsvorbereitungen alle Ställe ausgebucht sind (versuchen Sie heute mal Ihr Auto zu parken!), oder wenn er feststellen muss, dass die Gastwirte unerklärlicherweise plötzlich mit den Preisen angezogen haben.Nicht mehr so aktuell, aber dennoch für viele Landshuter ein Begriff dürfte der von Hanns Altdorfer geschilderte Auftritt des Propheten sein. Während meiner Kindheit war Landshut die Heimat für eine kleine Anzahl besonderer, nicht ganz in das soziale Netz einordenbarer Mitbürger, um die sich die seltsamsten Geschichten rankten. Da gab es den von einem manischen Putzwahn besessenen Stadtstreicher, der hohlwangig durch die Straßen schlich und alle paar Momente gezwungen war, eine Oberfläche abzuwischen, dabei jedoch nicht beobachtet werden durfte: angeblich ein ehemaliger, hochintelligenter Lehrer. Oder der bucklige kleine Mann im abgewetzten Anzug, dessen eine Schulter deutlich tiefer hing als die andere und der zahnlos über das Pflaster schlurfte, auf den Sommer und den Einbruch des Abends wartend, um sich in den nächsten Biergarten zu verfügen und dort kräftig bei der Kapelle mitzusingen (in meiner Jugend gab es in Landshut sowohl Biergärten als auch Kapellen, die allabendlich dort spielten, obwohl sich rundum Anwohner befanden!!); dieser Mann war angeblich ein verrückt gewordener Opersänger, der früher äußerst berühmt gewesen war. Ein Mann namens Tannhäuser (hieß der wirklich so? Keine Ahnung!) schob täglich wechselnde Fahrradtypen durch die Stadt, von weitem erkennbar an seinem Maurice-Chevalier-Strohhut und seiner dunklen Sonnenbrille. Tannhäuser war sagenhaft reich und besaß mehrere Häuser in der Stadt...Oder der kleine dicke rauschebärtige Maler mit seiner silbern beklebten Zeichenmappe, der niemals jemanden porträtierte. Oder die mittelältliche Frau, die einmal am Tag in jeder Bank auftauchte und die Angestellten dort mit Schimpftiraden überschüttete...Ich frage mich, wo diese Originale alle geblieben sind. Für den Fall, dass sie samt und sonders der konformen Durchschnittlichkeit zum Opfer gefallen sind, die mittlerweile auch das Bild der Landshuter Innenstadt prägt, habe ich ihnen allen, vertreten durch Altdorfers Propheten, ein paar Zeilen meines Buches gewidmet.









Dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt, wurde mir wieder bewusst, als ich für mein Buch in Landshut recherchierte. Nach einigen durchaus selbstverschuldeten Verwirrungen über die richtige Anlaufstelle landete ich im Stadtarchiv, wo ich nach Terminvereinbarung beim Leiter des Archiv selbst vorsprechen durfte. Das Archiv befand sich in einer Phase des Umbaus, was dem Chefbüro zu einer höchst anheimelnden Plastikplane verhalf, die die eine Seite des Büros bedeckte. Wenn ich schriebe, dass der Besucherstuhl deutlich tiefer war als der Stuhl des Bürobesitzers, würde ich vielleicht lügen, denn ich weiß es nicht mehr genau. Wundern würde es mich aber nicht. Ich wurde gefragt, ob ich beabsichtige, ein wissenschaftliches Werk über die Landshuter Hochzeit zu schreiben.(Man sollte hier einfügen, dass diese Art der Literatur eine Domäne einiger Landshuter Schriftsteller darstellt und von diesen heftiger verteidigt wird als der Hühnerhof vom Hausgockel.)Ich verneinte. Ein historischer Kriminalroman sei es, nichts weiter.Also Belletristik?Ja.Schön, schön. Auf Wiedersehen.Unerwartet wieder draußen, versuchte ich mich von einem Erlebnis zu erholen, das dem plötzlichen Überrollen durch einen Fünfzigtonner nicht unähnlich war. Einer der Angestellten des Archivs versuchte aus mir herauszubringen, weswegen ich eigentlich gekommen war. Er sandte mir wenige Tage später kostbares Material zu, aus dem ich nicht nur die besondere politische Struktur der Landshuter Stadthierarchie im ausgehenden fünfzehnten Jahrhundert ablesen konnte, sondern auch viel über den sogenannten Markgrafenkrieg erfuhr, jenes für den jungen Peter Bernward so einschneidende Erlebnis.Dieser Mann ist heute der Leiter des Stadtarchivs. Es hätte keinen Besseren treffen können. Ich schulde ihm noch nachträglich Dank; wenn ich mit einem Thema jemals wieder die Landshuter Geschichte streifen sollte, könnte ich mir für meine Recherche keinen besseren Partner wünschen als ihn.




Historisches zur Landshuter Hochzeit

Faszinierender als die Hochzeit zwischen dem jungen Herzog Georg und seiner Braut Jadwiga ist die Vorbereitung der Feier.Die Widerstände, gegen die das Organisationskomitee zu kämpfen hatte, um eine Feier auszurichten, zu der die geladenen Gäste mit zehntausend Pferden anreisten und alle Menschen innerhalb der Stadtmauern acht Tage lang mit Essen und Trinken freigehalten wurden, sind vielfältig. Ihnen allen wurde mit einem Kommunikationsnetz begegnet, das ausschließlich aus reitenden Boten und Brieftauben bestand. Allen daran näher Interessierten empfehle ich das Buch "Die Hochzeit zu Landshut 1475" von Sebastian Hiereth, das vom Verkehrsverein Landshut publiziert wurde. Die nebenstehende Kopie eines Botenzettels ist dem Buch Hiereths entnommen, das eine unschätzbare Quelle für meine Recherche war.

Das Brautpaar in der Realität: Georg von Wittelsbach (rechts) und Jadwiga Jagiello (unten; links Originalportrait, rechts eine Verkörperung der Braut aus den Festspielen).
Die Ehe verlief so lange harmonisch, bis feststand, dass aus ihr kein männlicher Erbe hervorgehen würde - und war damit nicht nur der Grund für eine menschliche Tragödie, sondern auch für den Landshuter Erbfolgekrieg, den Herzog Georg verlor. Seine direkte Linie erlosch, und Landshut, vorher eine der wichtigsten Städte Bayerns, sank in die Bedeutungslosigkeit.

Jadwiga, die Braut, die bei ihrer Hochzeitszeremonie so bitterlich weinte, als hätte sie ihr weiteres Schicksal bereits geahnt, wurde auf die düstere Burg nach Burghausen verbannt. Sie lebte dort fern von der Welt und der glücklosen Politik ihres verbitterten Mannes, stets in Angst, durch eigenes oder das Fehlverhalten ihres Hofstaates noch weiter in Ungnade zu fallen. Sie starb mit noch nicht einmal 45 Jahren.


 
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