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Von so viel Dingen, die ich hab gesehn,
Kann ich durch deine Güte, deinen Halt,
Die Gnade und die Kraft nun ganz verstehn.

Dante Alighieri, Paradies XXXI



ISBN Originalausgabe: 3-485-00835-4

ISBN Taschenbuch: 3-404-14757-X


Bestseller-Platzierung vom 12.08.2002: Platz 36!


Zu Ostern des Jahres 1478 ist die Lage in Italien gespannt. Es ist noch keine zwei Jahre her, da Herzog Sforza von Mailand unter den Dolchstößen der Attentäter gefallen ist - und schon streckt Papst Sixtus IV. in seinem Bemühen, den Reichtum seiner Familie und des Vatikans zu mehren, erneut die Hand nach den Republiken aus. Vor allem ein Mann steht ihm im Weg: Lorenzo de Medici, der heimliche Herrscher über Florenz. Nun soll sich auch sein Schicksal erfüllen, und geschickt weiß der Papst die politische Zerrissenheit der schönsten Stadt der Christenheit auszunutzen.


Gespannt ist auch die Lage zwischen dem ehemaligen bischöflichen Untersuchungsbeamten und Kaufmann Peter Bernward und seiner Gefährtin Jana Dlugosz. Vor mehr als zwei Jahren hat Bernward seine Heimatstadt Landshut verlassen, um der zweiten großen Liebe seines Lebens bis nach Florenz zu folgen - doch nun drohen Janas Ehrgeiz und Peters ständige Einmischungen in ihre Geschäfte ihre Liebe aufzureiben. Die Frage, ob er bei ihr bleiben oder sie verlassen soll, um sich endlich seiner auseinanderfallenden Familie zu widmen, kann auch Peters tapsiger Schwiegersohn Johann Kleinschmidt nicht beantworten.
Dann greifen die Pläne des Papstes, und Lorenzos Bruder Giuliano wird während der Ostermesse im Dom zu Florenz ermordet. Peter glaubt seinen Ohren nicht zu trauen, als die Nachricht verbreitet wird, Jana sei als Mitverschwörerin verhaftet worden. Alle Beweise sprechen gegen sie. Auch Peter beginnt an ihr zu zweifeln. Haben Ehrgeiz und Machthunger sie in eine verhängnisvolle Falle getrieben? Plötzlich sieht er sich vor die Frage gestellt: Soll er seinen Überzeugungen treu bleiben oder einer Liebe, von der er nicht mehr weiß, ob sie noch erwidert wird...


Bald jedoch muss Peter Bernward erfahren, dass alle Menschen, die etwas mit Jana zu tun hatten oder in den Fall verwickelt werden, auf mysteriöse Weise ums Leben kommen. Immer tiefer gewinnt er Einblick, wie nah kunstvollte Prachtentfaltung und menschliche Niedertracht im Florenz der großen Handelshäuser beieinanderliegen.
Peter Bernwards Ringen um seine Liebe zu Jana wird für beide zu einem Kampf ums Überleben. Eine atemlose Enthüllungsgeschichte im Wettlauf mit der Zeit beginnt.


Die tschechische Ausgabe von EINE MESSE FÜR DIE MEDICI, erschienen bei Bastei Moba.

Auch der Weltbild-Verlag hat sich die Rechte an EINE MESSE FÜR DIE MEDICI gesichert und ein sehr schönes alternatives Cover dafür gefunden.




Beschreibung des Attentats auf Lorenzo und Giuliano de Medici aus Niccolo Machiavellis „Geschichte von Florenz“, Kapitel 52 (eigene Übersetzung aus dem Englischen, Quelle: www.online-literature.com/machiavelli/florence_italy/52/


„Die Kirche war voller Menschen, und die Messe begann in Giuliano de Medicis Abwesenheit. Francesco de Pazzi und Bernardo Bandini, die als seine Mörder ausersehen waren, begaben sich zu seinem Haus und machten ihm so lange Vorhaltungen, bis er einwilligte, sie zu begleiten. Es überrascht, dass solch ein Hass, solch eine schreckliche Tat wie die, die Francesco und Bernardo planten, so vollkommen verborgen werden konnte; denn auf dem Weg zur Kirche und auch als sie sie betraten, erheiterten sie ihn mit Scherzen und fröhlicher Unterhaltung. Francesco vergaß nicht einmal, unter der Vorspiegelung freundschaftlichen Überschwangs, Giuliano zu umarmen, um sicherzustellen, dass er unter seiner Kleidung keinen Harnisch oder anderen Schutz trug. Giuliano und Lorenzo wussten beide um die Konkurrenz der Familie Pazzi und deren Bestreben, ihnen die Macht über die Regierung zu entreissen; doch sie waren überzeugt, dass jeder Versuch dazu offen und über den Behördenweg erfolgen würde. Dieserart ohne jegliche Sorge um ihre eigene Sicherheit, begegneten sie den Pazzi in aller Freundschaft. Als die Mörder bereit waren, jeder auf seinem vorbestimmten Platz, den sie wegen der großen Menge an Kirchenbesuchern ohne Verdacht zu erregen einnehmen konnten, kam der richtige Zeitpunkt, und Bernardo Bandini, der sich eigens einen kurzen Dolch eingesteckt hatte, stach Giuliano in die Brust, der nach kurzem Taumeln zu Boden stürzte. Francesco de Pazzi warf sich auf Giuliano und stach auf ihn ein, wobei er sich in seiner blinden Raserei selbst eine tiefe Wunde im Bein beibrachte. Antonio und Stefano, der Priester, warfen sich auf Lorenzo...“       
 

 

Das Grundgerüst dieses Buches ist, wie bei meinen vorangegangen Werken, eine verbriefte historische Begebenheit: Diesmal handelt es sich um das Attentat auf Lorenzo und Giuliano de‘ Medici zu Ostern des Jahres 1478 in Florenz. Die Verschwörer, vom sechzehnjährigen Kardinal Raffaelle Riario bis zum siebzigjährigen Jacopo de‘ Pazzi, sind historische Persönlichkeiten; ebenso wie ihre Opfer aus dem Hause Medici und die mit ihnen verbundenen Menschen. Erfunden habe ich neben den Hauptpersonen Jana Dlugosz und Peter Bernward den Kaufmann Pratini und seine Familie, Janas Geschäftspartner (mit Ausnahme Francesco Noris), Peters Schwiegersohn Johann Kleinschmidt und Lapo Rucellai.





Selbstverständlich mußte ich, um der Dramaturgie eines Romans gerecht zu werden, die historischen Begebenheiten da und dort verändern; dabei habe ich hauptsächlich die Hintergründe der Verschwörung ein wenig vereinfacht. Tatsächlich stimmt, daß die Florentiner signoria die Ernennung Francesco Salviatis zum Bischof von Florenz ablehnte, ein altes Recht, das die Stadt bereits im vierzehnten Jahrhundert dem Heiligen Stuhl abgenötigt hatte. Tatsächlich stimmt auch, daß Lorenzo de‘ Medici die Versuche des Papstes, seinem Nepoten Girolamo Riario das Herzogtum Imola zuzuschanzen, zu durchkreuzen versuchte und Sixtus den Medici deshalb aus Rache die Finanzverwaltung des Vatikan entzog.



 

 

Die Feindschaft der Pazzi, einer alten, aber erst vor zwei Generationen zu Geld gekommenen Adelsfamilie zu den aus bürgerlichen Verhältnissen stammenden Medici habe ich ein wenig übertrieben. In Wahrheit weiß man von der ursprünglichen Weigerung Jacopo de‘ Pazzis, bei diesem Mordkomplott mitzuwirken, und er gab erst auf das Drängen Franceschino de‘ Pazzis nach. Im Großen und Ganzen darf man annehmen, daß die Motive und Beweggründe für die Verschwörung und die in ihrem Verlauf geplanten Morde vielschichtiger, komplizierter und vor allem schwerer darstellbar sind, als ich es getan habe – und daß die Mitwisserschaft des Papstes weit weniger eindeutig beweisbar ist.

 

Die Handlungen der Florentiner, der Rückhalt, den Lorenzo de‘ Medici fand, die gnadenlose Jagd auf die Verschwörer und vor allem das Scheitern des Aufstands habe ich jedoch exakt so wiedergegeben, wie ich sie in verschiedenen Quellen gefunden habe. Dies gilt auch für die Schicksale, welche die gescheiterten Verschwörer ereilten.




     
Es ist zu lesen, daß der Lynchjustiz gleich nach dem Mord im Dom knapp hundert Menschen zum Opfer fielen. Die meisten davon dürften aus dem Troß Bischof Salviatis gewesen sein. Salviati besaß die ungeheure Dummheit (oder Arroganz), ohne Kunde vom tatsächlichen Gelingen des Mordanschlags in den Palazzo della Signoria (heute Palazzo Vecchio) zu spazieren und einfach vorauszusetzen, daß seine Pläne aufgegangen waren. Gonfaloniere Petrucci ließ ihn und seine Helfer nach kurzem Prozeß am Nordfenster des Palazzo aufknüpfen. Die Mitglieder seines Trosses warf man einfach aus dem Fenster des Saales, in dem man sie eingesperrt hatte, auf den Platz hinaus; wo sie von den wütenden Medici-Anhängern in Stücke gerissen wurden. Wer vermag aber zu sagen, ob es daneben nicht auch Szenen gab wie die vor der Mutter-Gottes-Ikone, die ich erfunden habe, und Schicksale wie die des Bieco Alepri oder des Benozzo Cerchi?

Der historischen Wahrheit entspricht auch die Hinrichtung der Giftmörderin in Prato – wenngleich dieses Ereignis nichts mit dem Aufstand gegen Lorenzo de‘ Medici zu tun hatte und zu einer ganz anderen Zeit passiert ist.

 

 
    Das moralische Dilemma eines erfolgreichen Kaufmanns am Anfang der Renaissance, das ich am Beispiel Antonio Pratinis geschildert habe, mag uns heutigen Menschen ein wenig fremd erscheinen, war aber ungeachtet dessen eine der Haupttriebfedern aller Schenkungen, Stiftungen und sozialen Einrichtungen, die aus bürgerlichem Wohlstand genährt wurden. Vielleicht lassen sich die Sammlungen „für einen guten Zweck“, die heute von vielen Prominenten veranstaltet werden, damit vergleichen. Der Unterschied ist nur, daß die Prominenz des ausgehenden Quattrocento in Florenz ihr eigenes Geld für diesen guten Zweck gab, anstatt welches von ihren Bewunderern einzukassieren.

Möglicherweise habe ich Papst Sixtus IV ein wenig Unrecht getan, indem ich ihn als nepotisches, geldgieriges Ungeheuer hingestellt habe, das vor Mordanschlägen während der Heiligen Messe keinesfalls zurückschreckt, um seine Ziele zu erreichen. Andererseits ist dies genau die Charakterisierung, die viele seiner Zeitgenossen, aber auch Historiker von ihm zeichnen. Man sollte jedoch nicht vergessen, daß Francesco della Rovere bis zum siebenundfünfzigsten Lebensjahr den untadeligsten Lebenswandel führte, den man sich denken kann und erst mit dem Besteigen des Heiligen Stuhls der machtbesessene Gewaltmensch wurde, als der er der Nachwelt überliefert ist. Wie sagt Ferdinand Boehl zu Peter Bernward: Geh ein Jahr mit einem Krüppel, und du wirst selber hinken? Der Mensch ist stets auch ein Produkt seiner Umwelt, und der Ort, an dem der Hirte der Christenheit seinen Dienst verrichtet, war immer durch die Geschichte hindurch auch ein Ort der größten Laster und Gemeinheiten.

 

 

Im übrigen gelang es keiner politischen Intrige und keiner offenen oder versteckten Gewalt, die fünfzigjährige Herrschaft einer Familie über die Republik Florenz zu brechen. Dazu bedurfte es des Fanatismus eines Mönches, der seinerseits ein gottesfürchtiges Schreckensregime errichten sollte, und der Dummheit von Piero de‘ Medici, der weder die Intelligenz noch die Güte noch die Menschenfreundlichkeit seines großartigen Vaters Lorenzo geerbt hatte. Aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte.


 
       

Leseprobe

"Jana, wir wollten morgen zusammen in die Messe gehen..."
"Hast du nicht gelesen? Er schreibt, es wären außer uns noch weitere Händler und Kaufleute eingeladen, und es würde eine Ostermesse in der Kapelle auf seinem Gut zelebriert." Sie strich mir lächelnd über die Wange. "Freu dich doch; ich weiß genau, daß du in jede Messe, die wir seit unserem Wiedersehen in Ulm besucht haben, nur meinetwegen gegangen bist. So bleibt dir eine erspart."
"Darum geht es nicht. Wir haben vereinbart, daß wir die Ostermesse im Dom mit meinem Schwiegersohn besuchen."
Sie sah mich betroffen an und ließ die Hand mit dem Brief sinken. "Du mußt Cerchi absagen."
"Ich kann diese Einladung nicht absagen. Kannst du dir nicht vorstellen, wie wichtig sie ist? Ich hatte alle möglichen Befürchtungen, wie es mir hier ergehen würde, und nun antwortet einer schon nach ein paar Stunden."
"Aber Johann Kleinschmidt..."
"Johann Kleinschmidt!" Sie warf die Hände mit einer abschätzigen Bewegung in die Luft. "Es war ihm ohnehin peinlich, daß du ihm diesen Messebesuch aufgezwungen hast. Wenn du ihn wieder auslädst, tust du ihm einen Gefallen."
"Es geht nicht darum, ob ich ihm einen Gefallen tue. Ich will ihn kennenlernen."
"Das kannst du doch auch noch ein oder zwei Tage später."
"Jana, was soll das? Wir waren beide damit einverstanden, daß er uns zur Ostermesse begleitet."
"Wir waren damit einverstanden? Du hast ihn eingeladen, und ich habe genickt. Hätte ich dir vielleicht widersprechen sollen? Außerdem wußte ich gestern noch nicht, daß ich heute eine geschäftliche Einladung erhalten würde."
"Na also. Kleinschmidt war eher dran. Cerchi muß sich eben gedulden."
"Es geht nicht darum, ob Cerchi sich geduldet. Ich will mich nicht gedulden." Sie sah mich mit funkelnden Augen an, wie sie es immer tat, wenn sie mich meinen eigenen Argumenten schlug.
"Gut, gut", seufzte ich. "Dann folgst du deiner Einladung, und ich leiste meinem Schwiegersohn Gesellschaft. Er empfindet unsere Beziehung ohnehin als widernatürlich, da kommt es auf eine Seltsamkeit mehr nicht an."
"Du mußt mich begleiten. Ich kann doch nicht ohne einen männlichen Begleiter zu ihm hinausfahren. Da bekomme ich ja einen Ruf als sittenlose Frau!"
Ich spürte, wie plötzlicher Zorn in mir hochkochte. Mühsam versuchte ich ihn hinunterzuschlucken, aber er blieb mir in der Kehle sitzen.
"Ich habe bereits nachgegeben", sagte ich heiser. "Übertreib es nicht."
"Was heißt hier übertreiben? Willst du vielleicht, daß ich ganz allein zu ihm hinausfahre? Wer hat denn gejammert, wie gefährlich das Pflaster hier in Florenz ist, seitdem wir in Prato angekommen sind?"
"Miete dir doch eine Leibwache!" explodierte ich. "Oder nimm den schönen Stepan Tredittore mit hinaus. Du kannst es ja ohnehin nicht abwarten, ihm zu zeigen, wie gut du Geschäfte machen kannst."
"Genau, das kann ich nicht!" stieß sie hervor. "Du bist wie all die anderen! Solange deine Bequemlichkeit nicht angekratzt wird und du den gelassenen Schöngeist spielen kannst, der seinem Weib wohlwollend ihren Zeitvertreib läßt, hast du keine Probleme. Aber wenn es mir wirklich um etwas geht, dann stellst du dich stur."
Ich sah die Tränen in ihren Augen glitzern.
"Jana, beruhige dich..."
"Damals in Landshut, als ich zu Fuß zu dir hinausgelaufen bin, da habe ich auch nicht daran gedacht, wie gefährlich es für mich sein könnte. Und du stellst dich an, weil du deinem stotternden Schwiegersohn mitteilen mußt, daß dir etwas dazwischengekommen ist."
"Das ist doch etwas ganz anderes..."
"Ist es nicht. Du meinst, ich spiele hier bloß, stimmts? Ich habe eine meiner Launen! Ist dir nicht klar, daß sie mir zu Hause alles wegnehmen wollen, wofür ich jemals gearbeitet habe? Worauf ich gehofft habe, seit ich den Mädchenkleidern entwachsen war? Aber nein, daran denkst du nicht! Jana muß mal wieder ihren Kopf durchsetzen und irgendein lächerliches kleines Geschäftchen durchziehen - nur leider paßt es heute nicht, das muß die dumme Jana doch einsehen!"
"Jana..."
"Laß mich in Ruhe!" Sie wandte sich ab und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Ich suchte bestürzt nach Worten. Jana machte einen hastigen Schritt auf die Treppe zu den Obergeschossen zu, dann bremste sie abrupt und hob den Kopf. "Ich nehme Tredittore mit. Das war ein guter Vorschlag von dir. Außerdem Julia und was ich von Vespuccis Gesinde brauche, damit ich einigermaßen beeindruckend dort auftreten kann. Wenn ich zurückkomme, kannst du mir ja erzählen, was dein Schwiegersohn an Weisheiten von sich gegeben hat." Sie stieg ohne Eile die Stufen hinauf. Ihr Rücken war viel zu gerade. Sie drehte sich nicht um. Ich war betroffen über die Kälte in ihren Worten, aber noch betroffener über die Mühe, die es sie gekostet hatte, diese Kälte zu erzeugen. Ich stand wie ein Narr im Innenhof des prächtigen Hauses, in dem das Sonnenlicht auf dem plätschernden Brunnen fröhliche Kringel malte, und starrte die nun leeren Treppenstufen an.

 



 
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