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ISBN 978-3-404-15714-3                                                            Bastei Lübbe Taschenbuch                                                   Spitzentitel August 2007


Eigene Homepage: Die Braut des Florentiners





Italien, 1527: Schwester Magdalena muss zum zweiten Mal die ihr vertraut gewordene Klostergemeinschaft verlassen, weil ihre Äbtissin sie als Bedrohung für die Disziplin der anderen Schwestern betrachtet; Lorenzo Ghirardi hat einen Fehler begangen und versucht diesen nun wettzumachen, ohne seine Freunde dabei in Gefahr zu bringen; Antonio Bandini jagt einen Schatten, den er niemals fangen wird, denn der Schatten befindet sich in seinem Herzen. Die Bemühungen dieser drei Menschen kreisen um Corto den Bandenführer, Corto den ehemaligen Söldner, Corto den Wolf, der die junge Clarice auf dem Weg zu ihrem Bräutigam in seine Gewalt gebracht hat. Doch wie immer sind die Dinge nur auf den ersten Blick einfach und gut und böse nicht stets so klar erkennbar, wie man es sich wünschen möchte.

Unleugbar böse ist nur Konrad von Landau mit seiner Schwarzen Schar, der seine eigene Rechnung mit Corto und den anderen zu begleichen hat und dessen Männer eine Macht zu besitzen scheinen, die sie unbesiegbar macht...


Mein neues Romanprojekt, geplant als Originaltaschenbuch bei Bastei Lübbe, spielt in Norditalien, in der Po-Ebene - am großen Strom, der viele Geschichten erzählt hat und noch mehr davon kennt.



Die Handlung berührt dabei immer wieder die Via Aemilia, die alte Römerstraße. Die römischen Architekten bauten ihre Straßen bevorzugt entlang von geomantischen Kraftlinien; denselben Energiefeldern, auf die Sie stoßen, wenn Sie sich mit Radiästhesie oder Feng Shui befassen und die von den alten Kelten bis zu den alten Chinesen allen geläufig waren, die sich damit beschäftigten, Landschaft zu gestalten. Diese Kraftlinien sollen unter anderem die Angewohnheit haben, auf Pferde, aber auch auf Menschen Unrast auszuüben. Man kann sich vorstellen, dass die Militärarchitekten der Römer diesen Umstand begeistert in Erwägung zogen - schließlich ging es auf den Römerstraßen ja nicht zuletzt darum, Truppen schnell von einem Schlachtfeld zum anderen zu bewegen.

Auch in meinem Roman sind die Protagonisten ständig in Bewegung. Ich habe sie daher die Via Aemilia immer wieder berühren lassen, um sie anzutreiben.


Mit der BRAUT DES FLORENTINERS habe ich zweiten Mal ein Angebot meines Verlags angenommen, parallel zu meinen Buchprojekten ein Originaltaschenbuch zu schreiben. Bei der Arbeit an meinen anderen Projekten fallen in der Regel immer viele Ideen an, entweder durch meine Recherchen, manchmal aber durch Kürzungen im Handlungsverlauf, denen geplante Kapitel zum Opfer fallen, weil sie die Handlung retardieren (mein erstes Originaltaschenbuch, IM SCHATTEN DES KLOSTERS, war als Basisidee ursprünglich ein Zwischenspiel im JAHRTAUSENKAISER) oder nicht mehr zum Kontext des Romans passen. Um viele dieser Ideen wäre es schade. Sie tragen vielleicht kein 500 Seiten starkes Buch, doch genau das ist ihr Vorteil. Es sind verhältnismäßig kurze, temporeiche Geschichten, die sich auf ein Thema konzentrieren und es mit einer schnellen Action- und/oder Lovestory erzählen.


DIE BRAUT DES FLORENTINERS hat eine vielschichtige Entstehungsgeschichte; die Handlung ist inspiriert von Jack London, Joseph Conrad und der Lebensgeschichte von Saigo Takamori, einem japanischen Samurai des späten 19. Jahrhunderts, der u.a. wieder Inspiration für den Film LAST SAMURAI war. Weiterhin finden sich Anklänge an die Geschehnisse beim Sacco di Roma, der Plünderung Roms durch deutsche Landsknechte im Jahr 1527. Bei meinen Recherchen zu den Peter-Bernward-Romanen bin ich immer wieder auf die Zustände in Norditalien im ersten Viertel des 16. Jahrhundert gestoßen, ohne dass sich eine Möglichkeit ergeben hätte, diese in der Roman-Serie um den Landshuter Kaufmann unterzubringen. 


Heute ist Norditalien für uns ein Urlaubs- und Kulturland, in dem wir die Gläubigkeit des Mittelalters ebenso wie die Pracht des Barock spüren können; zur Zeit der Romanhandlung war Norditalien der blutige Kriegsschauplatz aller bedeutenden europäischen Nationen und die Atmosphäre eher von der Melancholie der Geschichten von Giovanni Guareschi geprägt als von der fröhlichen Cappucinokultur der Moderne. IM SCHATTEN DES KLOSTERS hat mir die Möglichkeit gegeben, diese Zeit einzufangen und in eine dichte, tragische, aktionsreiche Geschichte zu packen, die trotz (oder gerade wegen) der manchmal aufflackernden Gewalt eine ungewöhnliche Liebesgeschichte ist.

Jetzt will ich aber nicht noch mehr verraten...



Leseprobe:

Der Weg von der Straße zum Gehöft war ein Trampelpfad mit einer ganzen Anzahl von Nebenpfaden, die von ihm abzweigten, sich wieder mit ihm vereinten oder neben ihm herliefen. Es war offensichtlich, dass ein reger Verkehr von und zur Straße bestand. So weit das Auge reichte, befanden sich keine weiteren Bauten in der Nähe – die Ansammlung von Häusern, in denen vermutlich zwei oder drei Familien lebten, waren die einzige Möglichkeit zum Rasten und zum Kauf von etwas Proviant innerhalb mindestens einer Stunde Fußmarsch. Die Beschaffenheit des Weges verleitete die Gruppe dazu, ungeordnet in Richtung der Gebäude zu schlendern; wenigstens, dachte Magdalena, waren sie nun enger beisammen als auf der Straße.

Schwester Immaculata schritt durch das hohe Gras und ließ die Hände verträumt über die Samenstände der Halme gleiten. Das Gras war von einheitlicher Höhe, changierte von Grün zu Gelb und reichte der schmalen jungen Frau bis zur Hüfte. Magdalena beobachtete sie von weitem, das Zucken ihrer Lippen, wenn das Gras ihre Handflächen kitzelte, ihre halbgeschlossenen Augen, ihre gekräuselte Nase, als würde ihr der reife Geruch, der hier überall in der Luft hing, erst jetzt bewusst. Magdalena lächelte. Sie wandte sich zur anderen Seite und sah Schwester Radegundis, die selbstvergessen versuchte, durch den schweren Stoff des Ordensgewandes hindurch eine Stelle an ihrer Kehrseite zu kratzen, wo die Flohbisse sie juckten. Die junge Novizin schien den Blick zu spüren; sie zog die Hand weg und schaute sich dann schuldbewusst um. Als ihre Blicke sich mit denen Magdalenas trafen, grinste sie entschuldigend; dann zogen sich ihre Brauen plötzlich zusammen, und sie blickte über Magdalenas Schulter hinweg und kniff die Augen zusammen. Ihr Gesicht nahm einen fragenden Ausdruck an. Magdalena drehte sich beunruhigt um.

Schwester Immaculata war stehengeblieben. Sie starrte nach unten, auf etwas, was sich direkt vor ihren Füßen befinden musste. Etwas flirrte um sie herum wie eine Rauchwolke. Eine Hand war ausgestreckt und liebkoste weiterhin die Spitzen der Grashalme, als hätte sie sich vom Rest ihres Körpers selbständig gemacht. Die andere war zur Faust geballt und steckte in ihrem aufgerissenen Mund.


Bildnachweis von oben nach unten:

Verlagsgruppe Lübbe; de.wikipedia.ord; de.wikipedia.org; Richard Dübell; Richard Dübell

 
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