

1632
Seit der Schlacht am Weißen Berg im Jahr 1621 tobt der Krieg in allen deutschen Landen. Theoretisch kämpfen die protestantischen und katholischen Heere gegeneinander. Praktisch ist es ein Krieg gegen Land und Leute, und keine Konfession ist davon ausgenommen. Die Untaten gegen die Bevölkerung des Reichs haben von Jahr zu Jahr zugenommen; ihren bisherigen Höhepunkt haben sie im Massaker von Magdeburg gefunden, dem 20.000 Männer, Frauen und Kinder zum Opfer gefallen sind und das von allen Fürsten Europas als Verbrechen empfunden worden ist.
Das heißt, von allen außer Papst Urban VIII., der sich so über die „Vernichtung des Ketzernests“ freut, dass er eine Gedenkmünze prägen lässt …

Nicht zuletzt der Fall Magdeburgs hat dazu geführt, dass Gustav Adolf, der König von Schweden, der mit handfesten politischen Interessen ins Reich einmarschiert ist, als Befreier von der Willkür der kaiserlichen Militärbefehlshaber empfunden wird. Gustav Adolfs militärisches Genie treibt das Heer der katholischen Liga ebenso vor sich her wie das des Kaisers und schlägt beide in mehreren Schlachten. Um Ostern des Jahres 1632 stellt sich ihm das Liga-Heer unter Tilly bei Rain am Lech entgegen. Kaiserliche Kürassiere auf der Suche nach Fourage überfallen ein einsames Gehöft am Vorabend der Schlacht. Nur einem einzigen Überlebenden gelingt die Flucht in den nahen Wald.
Dieser Überlebende ist ein kleiner Junge, der weder seinen Namen kennt noch verstanden hat, warum die Reiter alle Bewohner des Bauernhofs ermordet haben. Doch als ihn ein alter, riesenhaft gebauter Einsiedler mit den letzten Fetzen einer schwarzen Mönchsrobe bei sich aufnimmt, ein Hüne mit einem Sprachproblem und der Last einer ungesühnten Sünde auf seinen Schultern, wächst eine schreckliche Überzeugung im Herzen des Jungen.
Die Gier nach einem unheimlichen Schatz hat die Welt in diesen Krieg gestürzt. Die Gier nach dem Wissen, das einem die absolute Macht verleiht. Die Gier nach dem Wissen des Teufels.
Die Gier nach der …
… Teufelsbibel!
Und so fasst der Junge einen tödlichen Entschluss.

1648
Sechzehn Jahre später: Wallenstein, Tilly, Pappenheim, Gustav Adolf – alle großen Männer dieses Krieges sind tot. Die Kriegsparteien verhandeln aus purer Erschöpfung seit vier Jahren um den Frieden.

Nichts brauchen die Menschen so nötig wie Hoffnung. Doch wo soll Hoffnung herkommen in dieser Zeit des Hungers, der Seuchen und der Gewalt? Wer soll die Wunden heilen? Auch die Heilerinnen sind verbrannt in den Feuern der Fanatiker, sind einen schrecklichen Tod gestorben auf den Scheiterhaufen der protestantischen wie der katholischen Städte, als Hexen verleumdet, gefoltert und ermordet im Namen eines unbarmherzigen Glaubens.
Im Norden, wo schon einmal die Hoffnung auf Frieden entstanden ist, will eine junge Frau das Werk ihres Vaters fortsetzen und das Licht der Vernunft in die Düsternis des Reichs tragen: Kristina, die Königin von Schweden. Sie sendet eine schöne junge Frau ins Reich. Ihr Name ist Ebba Sparre; sie ist die Geliebte der Königin, und diese hat sie auf eine Mission gesandt: die Teufelsbibel zu finden und nach Schweden zu bringen. Ebba bedient sich der Hilfe eines Dutzends Verfemter, „Samuels Gespenster“, die zusammen mit ihrem ehemaligen Anführer, Rittmeister Samuel Brahe vom Smaländischen Leibregiment Gustav Adolfs, in Ungnade gefallen sind. Seit dem Tod des Königs haben sie ein Himmelfahrtskommando nach dem anderen ausführen müssen. Von vierhundert Männern sind nur noch zwölf übrig. Doch noch immer haben sie ihre Schuld nicht abgetragen, haben den schrecklichen Fehler, den ihr Regiment in der Schlacht von Lützen gemacht hat, noch nicht abgebüßt. Samuel und der klägliche Rest seiner Männer haben jede Hoffnung verloren, dass sie ihre Ehre jemals wieder herstellen können – bis Ebba ihnen ein verlockendes Angebot macht.
Im Westen fällt ein Jesuit in einer dunklen Gasse unter den Streichen seines Mörders.
Im Süden beginnt ein altes, altes Netzwerk plötzlich zu leben und weckt zwei Agenten …
Im Osten, dort, wo der große Krieg begonnen hat, brechen zwei Frauen auf, um ein todkrankes Kind zu heilen, für das es eigentlich keine Hoffnung mehr gibt. Eine von ihnen, Agnes Khlesl, geht auf diese Mission mit dem Glauben an die Macht der Liebe und an das Können ihrer Tochter im Herzen. Alexandra, ihre Tochter, ist die zweite. In ihrem Herzen gibt es keinen Glauben mehr, seit sie ihren Sohn und ihren Mann verloren hat. Die Liebe, die eigentlich ihr Leben begleitet hat, die Liebe zu Wenzel von Langenfels, ist im Lauf der Zeit zu einem sterbenden Fünkchen verloschen, das nur von dem unerlösten Geheimnis lebt, das Alexandra nie gewagt hat Wenzel mitzuteilen.
Ihr Weg bringt führt beide Frauen zu einer Familienvereinigung und in die Falle von Pater Giuffrido Silvicola, dem Hexenjäger. Der Jesuit bietet Alexandra einen Handel an: Bringt sie ihm die Teufelsbibel, wird er die Anklage der Hexerei gegen sie und Agnes fallen lassen. Alexandra muss sich entscheiden – soll sie ihm die Teufelsbibel aushändigen oder zulassen, dass ihre Lieben den Feuertod sterben? Und wenn sie seinen Auftrag zu erfüllen versucht: wird es ihr gelingen, die Teufelsbibel zu stehlen? Diejenigen, die sie bewachen, sind ihre eigene Familie und Wenzel von Langenfels. Ihre Mutter und ihre Brüder zu retten heißt, alles Bestreben zunichte zu machen, für das ihre Familie in den vergangenen Jahrzehnten so viel erlitten hat, heißt, sich ihren Vater Cyprian, ihren Onkel Andrej und vor allem Wenzel von Langenfels zum Feind zu machen.

Und im Zentrum des Geschehens bereitet General Königsmarck, der Letzte der mörderischen Feldherren, seinen großen Coup vor. Königsmarck sieht eine Chance, durch den Krieg reich zu werden, bevor die Friedensverhandlungen ihn beenden. Er hat einen Plan, und er hat einen wichtigen Verbündeten – Pater Silvicola, der den Schlüssel zum Ziel Königsmarcks besitzt.
Alexandra, der sie verfolgende Wenzel, Ebba und ihre Truppe und natürlich Pater Silvicola, der Agnes und die anderen als Geiseln genommen hat – sie alle bewegen sich auf ein gemeinsames Ziel zu: die Teufelsbibel. Sie reisen durch ein Land, in dem Asche das Blut der Unschuldigen verdeckt, in dem die Opfer von Seuchen und Hunger nebeneinander auf den Friedhöfen verscharrt werden und die Lebenden die verurteilten Verbrecher von den Galgen schneiden in der verzweifelten Hoffnung auf ein schreckliches Mahl … ein Land, über dessen erschöpfte Straßen in Gewaltmärschen das Heer von General Königsmarck zieht, der seiner eigenen Agenda von Feuer und Tod folgt.

Erscheinungstermin: 20.03.2010 als Lübbe-Hardcover!

Kloster Raigern (heute: Rajhrad) spielt im Roman die Rolle, die es heute in Wirklichkeit besitzt: als Bewahrerin des böhmischen Schrifttums. (Bildnachweis: privat)

http://www.youtube.com/watch?v=5s5XjURMZYU
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