Home
Aktuelles
Landshuter Hochzeit 1475
Links
Lesungen/Vorträge
Schreibwerkstatt
Der Tuchhändler
Der Jahrtausendkaiser
Eine Messe für die Medici
Die schwarzen Wasser
Das Spiel des Alchimisten
Die Sieben Häupter
Die Tochter des Bischofs
Tatort Bayern
Im Schatten des Klosters
Der Sohn des Tuchhändlers
Die Braut des Florentiners
Die Teufelsbibel
Die Wächter der Teufelsbibel
Die Erbin der Teufelsbibel
Die Pforten der Ewigkeit
P.M. History
Gästebuch
Weblog
 


Seit 2008 habe ich die Freude, ab und zu Artikel für P.M. History schreiben zu dürfen. Meine literarischen Erfahrungen als Romanautor in faktenbasiertes Schreiben einbringen zu können macht großen Spaß - und wenn die Arbeit auch noch für ein so hochwertiges Magazin wie P.M. History zu leisten ist (und in Zusammenarbeit mit dem coolen, engagierten und professionellen P.M.-Team), ist das Glück vollkommen.

Darf ich Ihre Neugierde ein wenig mit den folgenden Textauszügen wecken? Wenn Sie mehr davon wollen - haben Sie schon mal ein Abo gedacht?


Teufelsbibel - Legende und Wahrheit einer einzigartigen Handschrift
 

Der Mönch war verzweifelt. Er hatte gesündigt, und nun verweigerte Gott ihm die Buße. Seine Seele würde für alle Ewigkeiten verdammt sein. Zur Strafe eingemauert in seiner Zelle, allein mit sich und der Erinnerung an die Sünden, die er begangen hatte, wurde ihm bewusst, dass er verloren war – und dass Gott den Pakt nicht einhielt.
Der Mensch war als fehlerhaftes Wesen geschaffen worden, verführbar, strauchelnd. Doch Gott hatte seinen Geschöpfen die Buße ermöglicht, damit sie sich von ihren Fehlern reinwaschen konnten. Der Mönch – manche Quellen geben seinen Namen mit Hermanus an – war nicht der einzige Sünder in den vielen Bruderschaften, die im Europa des frühen 13. Jahrhunderts bestanden. Hermanus kannte die Geschichte des Mönchs, der im Leben ein ebenso eifriger Kopist wie Sünder gewesen war. Als er unerlöst starb, wurden all seine Schriftstücke gegen seine Sünden aufgewogen, und es stellte sich heraus, dass er ein Dokument mehr angefertigt als er Sünden begangen hatte. Seiner Seele wurde erlaubt, in den Körper zurückzukehren und seine Buße zu vollenden. Hermanus hatte sich an diese Überlieferung geklammert. Er hatte sich erboten, all das Wissen, das er sich angeeignet hatte, in einem einzigen Buch zusammenzufassen, einer Bibel der Gelehrsamkeit, einer frommen Enzyklopädie, einem neuen Weltwunder in Form eines Buches.
Und nun stellte er fest, dass ihm die Zeit niemals reichen würde, das Werk zu vollenden. Gott verachtete seine Bemühungen.
In seiner Not wandte Hermanus sich an Gottes ewigen Widersacher. Und der Teufel kam und schrieb in einer Nacht das geheimnisvollste Buch aller Zeiten …


Warum die Frauen den Schmerz des Lebens tragen

Der Überfall der Gesetzlosen ist gut geplant. Der Weg ist schmal, die kleine Handvoll Knechte ist damit beschäftigt, die Räder der Karren aus dem Schlamm zu ziehen, und die Angreifer sind ein verzweifelter Haufen, der nichts zu verlieren hat. Wilhelm Runtinger verflucht seine Idee, noch vor Ostern venezianische Stoffe nach Regensburg schaffen zu wollen, denn er hat viel mehr zu verlieren als die Ware, in der seine gesamten Finanzen angelegt sind. Auf einem der Wagen sitzt seine junge Frau Agneta …

Wir schreiben das Jahr 1314. Agneta Runtinger, Wilhelms einundzwanzigjährige Frau, ist in einer Zeit aufgewachsen, die von den zarten Anfängen ständischer Freiheit und von den ersten gnadenlosen Judenverfolgungen in Frankfurt, Nürnberg, Bamberg und Würzburg geprägt ist. Sie selbst hat ihre Kindheit und Jugend in einem Elternhaus verbracht, das nur zum Teil ihres war: sie war das uneheliche Kind des Hausherrn. Agnetas Vater und ihre Stiefmutter haben schon früh damit begonnen, sie in die Heiratsüberlegungen ihres Hauses mit einzubeziehen. Agneta ist aufgeweckt, fleißig und arbeitswillig, und sowohl für einen Vater, der eine Tochter zu vergeben hat, als auch für einen jungen Bräutigam, der etwas aus sich machen will, sind diese Qualitäten wichtiger als eine reine Abstammung ...


Der Schatten des Krieges schwebt über Europa

Dies ist ein Blick aus der Vogelschau … unser Vogel ist eine Krähe, und sie wittert Beute. Unten, auf dem Richtplatz, schreit ein Mann seine Qual hinaus. Er heißt Francois Ravaillac, und er stirbt einen unvorstellbar barbarischen Tod. Wir sind in Paris, und wir schreiben den 27. Mai 1610. 13 Tage vorher hat Ravaillac König Heinrich IV. ermordet. Der Tod des Monarchen wird so bestialisch gesühnt, als gäbe es weder Vernunft noch Vergebung. Die Krähe hofft darauf, dass wie üblich bei einer Hinrichtung Aas für sie übrig bleibt. Sie wird enttäuscht werden; nachdem Ravaillac am Ende seiner mehrstündigen Passion gevierteilt worden ist, müssen die Polizeikräfte seinen zerrissenen Leib mit Gewalt in Sicherheit bringen, damit der vor Hass schäumende Mob die Körperteile nicht als Trophäen davonträgt.
Dies ist ein Blick aus der Vogelschau … und aus dieser Perspektive dürfen wir uns fragen, ob Ravaillac, der Königsmörder, nicht vielmehr Hunderttausenden von Menschen das Leben rettet, indem er verhindert, dass König Heinrich IV. seinen großen Plan umsetzt: den Krieg gegen die Habsburgerdynastie. Das entsetzliche Sterben, an dessen Schwelle das Heilige Römische Reich seit fast einhundert Jahren dahintaumelt, wird 1610 erneut hinausgeschoben. Die Krähe lässt sich hinauf in den Himmel tragen, hoch hinauf. Fliegen wir mit und betrachten wir von oben die Mächtigen Europas … suchen wir nach einem Menschen, der die Macht hat, den Irrsinn doch noch aufzuhalten, der als Dreißigjähriger Krieg in die Geschichte eingehen wird. Wir heutigen Menschen wissen, dass ihm dazu acht Jahre Zeit bleiben ...


Die Geburtsstunde der neuen Imperatoren

Ein Schatten gleitet über die Landschaft: über die noch uneroberten Bergketten, die noch unbesiegten Wälder, die noch ungezähmten Ströme. Dies ist eine Zwischenzeit: Kaiser Konstantin der Große war gestern, Kaiser Karl der Große wird morgen sein. Der Schatten gleitet über das buchstäblich unerforschte Land, das Land jenseits der Grenze – denn das ist es immer für die Römer gewesen. Wie hätten sie ahnen sollen, dass das riesige, wilde Territorium einmal ihr Erbe antreten würde? Mit dem Untergang ihrer Kultur dämmert bereits eine neue Idee herauf. Sie wird noch über 1500 Jahre später die Basis für das Leben von siebenhundert Millionen Menschen sein: Europa.
Der Schatten ist der eines Adlers: das Symbol der römischen Herrschaft. Noch während er über das Land gleitet, verwandelt er sich ...


Glanz in Landshut

Über das Ende des Mittelalters sind sich kaum zwei Gelehrte einig. Ist es auf das Jahr 1517 festzulegen, dem Jahr der Veröffentlichung der Lutherschen Thesen, also mit dem Beginn der Reformation und dem Verlust der Vorherrschaft der katholischen Kirche über Geist und Leib der Gläubigen? Oder früher, 1492, mit der Entdeckung Amerikas, als der Genueser Christoph Columbus mehr aus Versehen die Grenzen der Alten Welt sprengt? Oder mit dem Untergang des Byzantinischen Reichs beim Fall von Konstantinopel 1453? Oder gar schon auf das Jahr 1415, als in der Schlacht von Agincourt die nach klassischem Muster angreifenden französischen Ritter von den modern taktierenden Engländern und ihren Bogenschützen ausgelöscht werden? Nun, wenn auch das Ende des Mittelalters nicht so einfach zu finden ist, so können wir wenigstens mit einiger Sicherheit sagen, wann das letzte große, mittelalterliche Fest gefeiert worden ist. Und ein würdiges Fest war es, eines, bei dem alles, was im Deutschen Reich Rang und Namen hatte, eingeladen war, eines, bei dem die ganze Pracht, der Überschwang, die Verschwendungssucht des Mittelalters auf die Spitze getrieben wurden.
Eines, das von Musik und Tanz bestimmt ist, vom achttägigen, fröhlichen Miteinander sogar verschworener Todfeinde – und zugleich eines, das (ganz der dramatischen Epoche angepasst, von dem es geprägt ist) den Beginn einer menschlichen und politischen Tragödie markiert. Ein Fest, in dem zwei Seelen miteinander verbunden werden, nicht weil sie zusammengehören, sondern weil der Machtwille zweier Herrscher es so will. Ein Fest, das den Samen in sich trägt, die Landkarte Europas bis in den heutigen Tag hinein zu ändern ...


 
Top